Zeitungsbericht 2019

Kingkong lebt!

 

Die Theatergruppe der dritten Sekundarklasse begeisterte das Publikum während achtzig Minuten mit viel Wortwitz, gekonnter schauspielerischer Leistung, einigen herrlichen Gags und einer irren Geschichte.

 

Gegen 120 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten sich im Singsaal der Sekundarschule Waldegg in Münchwilen eingefunden, als das Saallicht um halb acht Uhr abends ausging. Der Vorhang ging auf und zwei Personen schlenderten wie verloren durch ein Antiquitätengeschäft, das – wie das Publikum später erfuhr – keineswegs mit einem Trödlerladen zu vergleichen ist. Da niemand sprach, hatten die Zuschauerinnen und Zuschauer Zeit, das opulente Bühnenbild auf sich wirken zu lassen. Im Antiquitätengeschäft gab es von der Blockflöte über den Nachttopf bis zu drei (!) antiken Feigenblättern alles zu kaufen und eine rote Telefonzelle liess vermuten, dass das Stück in London spielte. Alles war sehr liebevoll arrangiert und äusserst stimmig. Das Auge wurde bereits verwöhnt, das Ohr wartete noch. Doch ab dem ersten Wort musste es hellwach sein, denn die Geschichte begann zwar relativ gemächlich, wurde aber immer rassiger und irrwitziger vorangetrieben.

 

Der Antiquitätenhändler entliess seine – bescheuerte – Scheuerfrau und suchte fortan auf Rat des umtriebigen Sergeants eine intelligente Ladenhilfe, welche er kurz darauf in der Person einer jungen Studentin fand, die eine neue Füllung für ihr Sparschwein benötigte. Ein schottisches Zwillingspaar, ein Sonntags- und ein Montagskind, verkauften dem Antiquitätenhändler sieben der ursprünglich vierzehn Nothelfer. Ein Räuber in verschiedensten originellen Verkleidungen brachte diese Figuren illegalerweise an sich, eine unglückliche Verlobte brachte einen Nothelfer in arg defektem Zustand zurück, da er ihre Verlobung auch nicht mehr hatte retten können, und der Polizeichef höchstpersönlich wollte eine der Figuren kaufen, die offenbar ein mysteriöses Geheimnis in sich bargen. Dabei wurde der Polizeichef in seinem Trenchcoat für einen Gauner gehalten und beinahe von seinem eigenen Sergeant verhaftet. Und so nebenbei fiel Luzifers Maske immer wieder vom Haken, ohne dass dies jemanden wirklich gestört hätte. Ja, die Ereignisse überschlugen sich und auch die Wörter schlugen Saltos. Mit unzähligen Wortspielen und spitzen Pointen wurde das Publikum Mal für Mal zum Lachen und sogar zu Szenenapplaus verführt. Die turbulente Handlung gespickt mit wildem Wortwitz war gekonnt inszeniert. Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler waren absolut auf der Höhe ihrer nicht leichten Aufgabe und meisterten sie mit Bravour. Am Schluss wurde mit Hilfe einiger Lateinkenntnisse das Rätsel gelöst, die Turmuhr schlug Mitternacht und Kingkong, der das ganze Stück bequem in seinem Lehnstuhl gesessen hatte, erwachte zum Leben, wodurch sich der eine schottische Zwilling in seiner Meinung bestätigt sah, dass der Mensch eben doch vom Affen abstamme. Noch Fragen?

 

Die Zuschauerinnen und Zuschauer klatschten heftig und ausdauernd und die zwölf Drittklässlerinnen und Drittklässler durften den ehrlichen Applaus ebenso geniessen wie die anschliessenden Komplimente des Schulleiters. Eine Besucherin schmunzelte selbst beim Hinausgehen noch und meinte fast ungläubig: „Noch nie habe ich ein so gutes Schülertheater gesehen!“
Die meisten der Akteure werden anfangs Juli in der Turnhalle Waldegg wieder im Einsatz stehen. Dort werden sie sich nicht mehr um 14 Nothelfer kümmern, sondern um…ach, kommen Sie doch vorbei und sehen Sie selbst!

 

Text: Andy Raas
Fotos: Philipp Raas