Teamweekend 2012

Übersättigung macht Kinder lustlos und lernfaul

Einmal im Jahr machen sich die Lehrpersonen der beiden Münchwiler Primarschulzentren Oberhofen und Kastanienhof auf, um sich anlässlich des Teamweekends gemeinsam weiterzubilden und sich intensiv mit Schulentwicklungsthemen auseinanderzusetzen.

Rolf Thalmann, Schulleiter

Mitte September war es wieder soweit. Die Münchwiler Lehrpersonen begaben sich wie im Vorjahr ins vorarlbergische Brand, um sich mit aktuellen Fragen der Schulentwicklung zu befassen. Zu Beginn des Teamweekends zeigte Schulpräsidentin Gabriela Frei den Lehrerinnen und Lehrern die Legislaturziele der Schulbehörde sowie die Finanzlage der Schulgemeinde in den kommenden Jahren auf. Mit engagierten Worten befasste sie sich anschliessend mit den Chancen und Risiken einer Zusammenführung der Schulgemeinde mit der Politischen Gemeinde, wobei für die Schulbehörde die Nachteile ganz klar überwiegen, würde die Schule doch einen Grossteil ihrer Autonomie und der kurzen Entscheidungswege verlieren.

Den restlichen Teil des Vormittags sowie den ganzen Freitagnachmittag arbeitete der Psychologe Dr. Frank Ruthenbeck mit den Lehrpersonen am Thema „Übersättigung und Überdruss“. Er zeigte ihnen auf, dass eine fortwährende Übersättigung die Kinder viel Kraft kostet und sie schlapp, desinteressiert, lustlos und lernfaul macht. Um so wichtiger ist es, den Unterricht kräftefördernd zu gestalten, indem man als Lehrperson eine durchschaubare, konsequente Haltung einnimmt, für klare, regelmässige Tagesstrukturen sorgt und dem Umgang mit den Medien eine besondere Beachtung schenkt. Die neuen Medien sind regelrechte Kräftefresser, die wie ein Gift wirken, da sie die Kinder wesentlich länger beschäftigten, als es den Anschein macht. Anhand mehrerer Studienergebnisse zeigte Frank Ruthenbeck den Lehrpersonen auf, dass der Bildschirmkonsum generell schlecht fürs Lernen ist. Der Computer sollte in der Schule wie auch zu Hause lediglich als Arbeitsinstrument eingesetzt werden, denn ein tiefgreifender Lerneffekt resultiert nicht. Lernprogramme sind zwar nicht grundsätzlich schädlich, sie lösen aber keine echten Lernprozesse aus. Frank Ruthenbeck ermunterte die Lehrerinnen und Lehrer, die Kinder wieder vermehrt von Hand schreiben zu lassen, bietet diese Tätigkeit doch Gewähr für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Lerninhalten. In einem letzten Teil übten sich die Lehrpersonen in der Kommunikation gegenüber Drittpersonen. Es ging dabei in erster Linie darum, den Eltern die Auswirkungen von übermässigem Computer- und Fernsehkonsum, von überladenen Freizeitprogrammen und von inkonsequenter Erziehung mitzuteilen.

Der erste Arbeitstag wurde mit einem vorzüglichen Abendessen abgeschlossen, das zusätzlich Gelegenheit bot, die neuen Teammitglieder besser kennen zu lernen und die Geselligkeit zu pflegen.

Am Samstagvormittag arbeiteten die Lehrpersonen einerseits unter der Führung der beiden Schulleiter Michael Götsch und Rolf Thalmann innerhalb der Schulteams aber auch über die Zentren hinweg in Stufenteams. Dabei befassten sie sich mit Themen wie dem Altersdurchmischten Lernen, der Sexualerziehung oder dem Einsatz des Computers auf der Unterstufe. Bei der abschliessenden Kurzevaluation zeigten sich die Lehrpersonen mit den Inhalten des Teamweekends durchwegs zufrieden und dankbar dafür, dass die Schulbehörde die finanziellen und zeitlichen Ressourcen für ein solches Teamweekend zur Verfügung stellt.